Auf Tempeljagd im Dschungel

1 05 2016

Erneut sassen wir wieder einmal ein paar Stunden im Bus, um von Cobán nach Flores zu gelangen. Während dieser Fahrt sahen wir eine Landschaft, welche durch unsere Augen gesehen, nicht nur schön ist. Die Strassenränder und -gräben sind an vielen Orten im Land mit Müll übersät. Je ärmer die Gegend ist, desto mehr Abfall liegt herum. Für die Menschen hier ist dies das normalste der Welt, da eine Müllabfuhr nur in den grossen Städten / Orten vorhanden ist. Wo dann der Abfall hingeführt wird, ja auch das haben unsere Augen gesehen. Zudem wurden und werden weite Teile des Dschungels abgeholzt oder abgebrannt und wo einst die Natur verwurzelt war, befinden sich nun kilometerweite Palmöl-Plantagen. Natürlich wissen wir alle, dass das Palmöl-Geschäft floriert, doch wenn man dann die Auswirkungen mit eigenen Augen sieht, stimmt das einem sehr nachdenklich und traurig.

Flores liegt auf einer Insel im Lago Petén-Itzá. Die Insel ist durch einen künstlichen Damm mit dem Vorort Santa Elena verbunden. Die Insel kann man ohne Probleme zu Fuss in kurzer Zeit umrunden. Relativ spät am Abend erreichten wir Flores, von wo aus wir am Folgetag bereits weiter nach Tikal fuhren. Das Eintrittsticket zu den wohl bedeutendsten Maya-Ruinen kann man ab 15.00 Uhr kaufen und dieses behält dann die Gültigkeit für den nächsten Tag. Unser Collectivo (Minibus) erreichte den Parkeingang schon um 14.30 Uhr, doch der Mann an der Kasse war so nett und verkaufte uns das Ticket trotzdem. Kurze Zeit später trafen wir auf dem Parkplatz und offiziellen Parkeingang ein, wo sich auch der Campingplatz befindet. Erneut schlugen wir unser Zelt auf und machten uns dann auf, in eine Zeitepoche die sich vor mehr als 2000 Jahren abspielte. Das in verschiedenen Abschnitten über einen Zeitraum von mehreren hundert Jahren erbaute Tikal ist eine riesige, komplizierte Anlage mit Hunderten von Tempeln, Ruinen und Stelen. Tikal liegt auf einem niedrigen Hügel oberhalb einer morastigen Fläche – vielleicht haben sich die Mayas eben deshalb um 700 vor Christus hier niedergelassen. Den Park hatten wir an diesem Nachmittag fast für uns alleine. Die meisten Leute waren wohl schon wieder abgereist und so genossen wir die imposanten Tempel der Grand Plaza und den Tempel IV mit seinen über 60 Metern Höhe fast für uns alleine. Was Tikal von anderen namhaften Maya-Stätten wie Chichén Itzá oder Uxmal unterscheidet, ist die einmalige Lage im Urwald. Über diesen bietet der Tempel IV einen unglaublichen Ausblick, wo sich an diesem Abend, wohl einige Brüllaffen ein Duell lieferten, wer von ihnen der / die Lauteste ist. Nebst den Affen sahen wir auch wieder Tukane, Papageien und viele Aracaris. Bevor es dunkel wurde, machten wir uns auf den Rückweg und assen in einem Comedor noch eine Kleinigkeit.

Der Park öffnete um 06.00 Uhr in der früh seine Tore und diese Gelegenheit nutzen wir um die Morgenstimmung an diesem mystischen Ort einzufangen. Hell war es um diese Zeit schon, jedoch verdeckten Wolken an diesem Morgen die Sonne. Die Leute die wir trafen, konnten wir an einer Hand abzählen. So hatten wir erneut die Gelegenheit, diesen speziellen Ort fast für uns alleine zu geniessen. Nachdem wir für uns die wichtigsten Tempel gesehen hatten, machten wir uns am Mittag, als der grosse Ansturm an Leuten und die grosse Hitze begann, auf den Rückweg nach Flores. Den letzten Abend verbrachten wir am See mit leckerem guatemalischem Essen, welches an Marktständen verkauft wurden. Das Essen schmeckte so gut, dass wir uns gleich 2x damit eindeckten.

Bereits auf der letzten Reise wollten wir nach Guatemala, entschieden uns dann dagegen, da es nicht in unsere Reiseroute passte. Nun haben wir das Versäumte nachgeholt und es hat uns hier sehr gut gefallen. Viel und lange waren wir am Reisen und es gäbe immer noch vieles zu sehen, was wir momentan nur aus Erzählungen kennen. Wie meistens beim Reisen, sollte man noch viel mehr Zeit haben. Hiermit bin ich auch schon beim Thema, da der letzte Bericht sowie auch die Heimreise naht. Selbstverständlich lassen wir euch auch noch an unserer kurzen Reise durch einige Orte im Yucatán (Mexiko) teilhaben. So viel können wir verraten, die letzten Tage, welche angebrochen sind, verbringen wir für uns etwas ungewöhnlich, auf einem Liegestuhl am wunderschönen weissen Strand von Tulum.

Nochmals sagen wir hasta pronto
Beat, Eliane und Grumo

https://photos.app.goo.gl/evB8KXim4PBZiXcX7



Guatemala – so farbig wie ein Regenbogen

25 04 2016

Antigua ist Guatemalas touristisches Vorzeigestück aber dies hat uns nicht davon abgehalten, ein paar Tage hier zu verweilen. Der Ort mit immenser historischer Bedeutung, seinen wunderschönen Kolonialbauten und ehemalige Hauptstadt Guatemalas, gehört seit 1979 zum UNESCO Weltkulturerbe. Zudem befinden sich rund um die pastellfarbenen Häuser Antiguas 3 mächtige Vulkane.

Auf vielen Spaziergängen durch die Stadt, wo in jeder Ecke ein neues Fotosujet oder Kaffee wartet, machten wir an einem Tag einen besonderen Ausflug ins Nachbardorf San Miguel Escobar. Pünktlich holte uns Andres beim vereinbarten Treffpunkt ab. Bei Andres und seiner Familie wollten wir sehen und lernen wie das Nationalgericht Pepián gekocht wird. Nach der Begrüssung ging es sofort zur Sache. Das lebendige Huhn das schön brav unter einem Korb sass, musste geschlachtet werden. 2 Augenpaare starrten etwas ungläubig in die Runde und auf die Frage, wer dem Huhn den Kopf abschneiden möchte, schüttelten wir beide verneinend den Kopf. Ich mache es kurz, da ihr ja vielleicht wisst, das Hühner ein zähes Leben haben, übernahm Bidu den Rupf-Job und ich schnitt dem armen Tier die Flügel und Beine ab. Wir waren froh, als wir dann in die Küche zum Gemüse schnippeln, wechselten. Als alle Zutaten geschnitten waren, kochte alles schön vor sich hin und wir durften uns noch in der Tortilla Herstellung beweisen. Zu jeder Mahlzeit werden Maistortillas gegessen, welche super lecker sind aber in der Herstellung doch recht schwierig. Die Tochter Sindy zeigte uns wie wir die Tortillas formen müssen. Das Ganze sieht beim Zusehen recht einfach aus, aber eben, als wir selber ans Werk durften, hätten unsere Exemplare nicht für den täglichen Verkauf gedient. Der Tortilla-Verkauf ist eine zusätzliche Einkommensquelle der Familie. In der Küche roch es, nach fast 3 Stunden metzgen, schnippeln und formen köstlich. Mittlerweile hatten auch wir wieder Hunger und so assen wir zusammen mit der ganzen Familie das Festmahl. Eine interessante Erfahrung und trotz unserem eingeschränkten Wortschatz in Spanisch erfuhren wir so einiges über die Familie sowie deren Lebensweise.
Am Nachmittag ging unser Programm bei einer andern Familie weiter. An der Tür begrüssten uns zwei jungen Frauen Lidia und Lilian. Die beiden Töchter eines Kaffeebauern hatten vor 4 Jahren die Idee anstelle von Erdnüssen, Erdnussbutter herzustellen und diese zu verkaufen. Zu Hause essen wir keine Erdnussbutter aber uns interessierte es, wie diese hier hergestellt wird. Bis zu diesem Zeitpunkt wussten wir auch nicht wie eine Erdnusspflanze aussieht und wie viel Arbeit in der manuellen Herstellung des Brotaufstriches steckt. Als erstes werden die Erdnüsse geöffnet, auf dem Holzherd geröstet und anschliessend von der roten Schale befreit. Zum Schluss werden die Nüsse so lange gemahlen, bis diese nur noch Butter sind. Zusätzliche Zutaten werden dieser Erdnussbutter nicht beigefügt. Zum Schluss durften wir die selbstgemachte Erdnussbutter auch kosten. Bevor wir uns auf den Rückweg nach Antigua machten, dankte uns Lidia mit glänzenden Augen für den Besuch. Mit dem Geld aus dem Erdnussbutter-Workshop, welchen sie dank der Organisation „De La Gente“ anbieten können, ermöglicht es den beiden jungen Frauen ein Studium zu absolvieren. Was gibt es schöneres als in solch strahlende Augen zu blicken und zu wissen, dass wir mit unserem Interesse etwas Gutes getan haben.

Von Antigua aus ging’s ins nicht viel weniger touristische Panajachel am Lago Atitlán. Der zweitgrösste See in Guatemala ist auch wie Antigua, umgeben von drei Vulkanen, welche zum tollen Panorama beitragen. Der Lago Atitlán lebt von seinem wunderschönen Panorama, welches wir nur von Fotos her kennen, da hier dichter Dunst die tolle Sicht verdeckte. Der Grund für diesen Dunst ist, dass die Bauern nach der Erntezeit, die Felder abbrennen. Der Regen würde dann für eine bessere Sicht sorgen aber dieser blieb bis jetzt aus. Somit stellten wir uns das Panorama während dem Bootsausflug in die beiden umliegenden Dörfer San Marcos und San Pedro nur vor.
Panajachel liegt nicht weit entfernt von Chichicastenango, wo jeweils am Donnerstag und Sonntag der grösste Markt Mittelamerikas stattfindet. Am Sonntagmorgen früh machten wir uns auf den Weg nach“ Chichi“. Die Fahrt mit den Hühnerbussen ist immer ein Erlebnis für sich und es kann ab und zu zu Platzproblemen kommen. So auch dieses Mal; auf der 1 ½ stündigen Fahrt mussten wir in 2 Orten den Bus wechseln. Der Wechsel findet immer problemlos statt auch wenn wir keine Ahnung haben, welcher Bus uns zum nächsten Ort bringt. Die Buschauffeure sind oftmals sehr hilfsbereit oder dann hört man es, wohin die Busse fahren, da der Zielort immer lautstark verkündet wird. Im letzten Bus fühlten wir uns wieder einmal wie eine Sardine in der Büchse und selbstverständlich ging die Fahrt durch das Hochland des Landes, welches natürlich aus Hunderten von Kurven besteht :-). Die Busse die hier unterwegs sind, sind ausgemusterte amerikanische Schulbusse. Die Sitzbänke sind gemacht für jeweils 2 Personen doch hier herrschen andere Gesetze und es quetschen sich 3 oder 4 Personen auf einen Sitz. Selbstverständlich werden hier auch Stehplätze verkauft, wenn dann doch die letzte Sitzmöglichkeit vergeben ist. Erleichtert heil am Ziel angekommen zu sein, widmeten wir uns dem farbenfrohen Markt und den vielen Menschen die schon fleissig ihre wunderschönen Sachen zum Verkauf ausgebreitet hatten. Vielen schöne Kleider, Tücher, Töpferwaren und sonst erdenkliche Textilien strahlten uns in allen möglichen Farben entgegen. Auch die Guatemalteken sind oftmals in ihren farbenfrohen Gewändern unterwegs. Essen und Früchte gibt es auch überall zu kaufen und so mussten wir nie weit laufen, um uns wieder zu stärken.

Ein kleines Juwel verbirgt sich auf dem Weg von Cobán nach Playa Grande. Die Laguna Lachua versteckt inmitten des Dschungel und nicht ganz einfach zu erreichen, ist immer noch ein kleiner Geheimtipp in Guatemala. Vom Parkeingang aus führt ein 4,5 Kilometer langer Pfad zum Camp der Lagune. Da wir ja noch unser Zelt mit uns herumtragen, nützen wir hier die Möglichkeit nochmals zu zelten. Der unbeschreibliche Anblick dieses kreisrunden Gewässers mit seinem kristallklaren Wasser entschädigt für die lange Anfahrt. Wir genossen die unendliche Ruhe, welche höchstens durch Tierlaute „gestört“ wurde.

Die Zeit läuft und unsere Reise neigt sich langsam dem Ende entgegen. Bereits sind wir in Mexiko angekommen und haben uns auch schon dem herrlichen Essen gewidmet. Hier in diesem Land wird unsere Reise auch enden. Im nächsten Bericht werden wir euch noch ein wenig in die Vergangenheit von Tikal mitnehmen.

Ein weiteres Mal sagen wir hasta pronto
Beat, Eliane und Grumo

https://photos.app.goo.gl/aGA7z8Gqj8avkctM7